Während in Großstädten wie Frankfurt, München oder Hamburg teils große Summen für die Übernahme einer Praxis bezahlt werden, sieht es im ländlichen Raum mau aus. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum ersten gibt es insgesamt immer weniger junge Mediziner, die sich in einer Praxis niederlassen wollen, auf der anderen Seite wird die Ärzteschaft jedoch immer älter und die Konkurrenz um die wenigen Nachfolger wächst. Zum zweiten wächst der Bedarf an ärztlicher Versorgung immer schneller.

Zahlen und Fakten

Wechselnde Ausstellungen in der Praxis: Kinder (Katharina)Laut Bundesärztekammer (BÄK) erhöhte sich die Zahl der ambulanten Behandlungen in Deutschland zwischen 2004 und 2014 um 152 Millionen. Gleichzeitig stieg die Zahl der ambulant tätigen Ärzte aber nur um etwa 17.000 Ärzte an. Verantwortlich dafür ist vor allem der steigende Behandlungsbedarf einer alternden Gesellschaft. Das Durchschnittsalter der Fachärzte in Deutschland beträgt 55 Jahre, in den nächsten zehn Jahren werden über 18.000 Hausärzte von den rund 48.000 Hausärzten in Deutschland in den Ruhestand gehen.

Doch auch im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin lässt sich ein starkes Ungleichgewicht beobachten: Unter den 371.302 berufstätigen Ärztinnen und Ärzten im Jahr 2015 finden sich nur 14.162 Kinder- und Jugendmediziner.

Gleichzeitig war die Geburtenrate 2015 so hoch wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr: 738.000 Babys wurden 2015 in Deutschland geboren. Am 31. Dezember 2015 lebten in Deutschland 10,88 Millionen Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre.

 
Die Ursachen des Mangels

Wechselnde Ausstellungen in der Praxis: Kinder (Florian)Nur jeder zweite niedergelassene Facharzt findet einen Nachfolger für seine Praxis – Tendenz sinkend. Die Gründe für den Facharztmangel sind vielfältig. Laut Bundesärztekammer hat die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für angehende Mediziner die höchste Priorität. An zweiter Stelle folgt der Wunsch nach geregelten und flexibel gestalteten Arbeitszeiten. Diese Bedingungen sind in der Stadt eher erfüllbar, als auf dem Land, wo das Einzugsgebiet der Patienten entsprechend größer ist. Immer mehr angehende Fachärzte entscheiden sich daher für eine (Teilzeit-)Anstellung in einer Klinik und gegen eine Niederlassung.

Als weitere Ursache für den Mangel gilt die Restriktivität des Medizinstudiums in Deutschland. An vielen Universitäten bekommt man selbst mit einem Abiturdurchschnitt von 1,0 keinen Studienplatz. Tausende junger Menschen warten auf die Zulassung zum Studium – ein nicht sehr aussichtsreiches Unterfangen. Während es 1990 noch 12.000 Plätze im Studiengang Humanmedizin gab, sind es heute nur noch 10.000 – obwohl durch die Wiedervereinigung acht medizinische Fakultäten hinzugekommen sind.

Die Lösung

Wechselnde Ausstellungen in der Praxis: Kinder (Anna)Die deutsche Ärzteschaft fordert von der Bundesregierung seit Jahren, das Medizinstudium zu reformieren. Einerseits müsse die Zahl der Studienplätze bundesweit um mindestens 10 Prozent erhöht werden. Andererseits sollten auch die Auswahlverfahren an den Universitäten reformiert werden. Es müsse dafür gesorgt werden, dass am Ende diejenigen ausgewählt würden, die hinterher auch in der Versorgung der Bevölkerung arbeiten wollen, so die Bundesärztekammer. Neben der Abiturnote sollte so auch Faktoren wie psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement und einschlägige Berufserfahrung stärker berücksichtigt werden.

Im Hinblick auf die Patientensicherheit müssten Bund und Länder daher in den Krankenhäusern für eine ausreichende Personalausstattung und Personalfinanzierung sorgen, fordert die BÄK. Notwendig seien darüber hinaus Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsverhältnisse, zur Reduktion der Arbeitsverdichtung und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Vorzüge einer Niederlassung auf dem Land dürfen nicht länger unterschätzt haben. Oftmals ist die Infrastruktur sehr viel besser ausgebaut, als viele denken. Viele kleinere Kommunen investieren längst in die Work-Life-Balance ihrer Einwohner. In Bad Saulgau mit seinen nur 17.000 Einwohnern gibt es so beispielsweise einen Kurpark, ein Thermalbad, ein Kino, ein Theater mit ansprechendem Programm, mehrere Kneipen mit Live-Musik, ein Sommerferienprogramm für Kinder, usw. Auch die Bildungsinfrastruktur ist hervorragend: Hier geht es zu mehr Informationen zur Region.

Weitere Informationen zur Situation der medizinischen Versorgung auf dem Land finden Sie auf unserer Seite mit weiterer Literatur und Links.

Beitrag teilen: